In dem Projekt Reality Remixed treffen unterschiedliche Realitäten junger Menschen aufeinander und werden künstlerisch ausgewertet und bearbeitet.
Marzahn Inside-Out stellte dabei ein Pilotprojekt dar, das sich speziell mit dem Innen- und Außenleben der Platten-bauten von Berlin-Marzahn auseinander-gesetzt hat. Hier bestimmen Quader und gerade Linien das Stadtbild, verbergen das Organische und Individuelle der dort lebenden Menschen hinter einer mathema-tisch-konstruktivistischen Fasade. Inside-Out hat dieses versteckte Innenleben der Plattenbauten nach außen gestülpt, mitten in das Stadtbild hinein.
Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Wilhelm-von-Siemens Gymnasiums sammelten im Sommer 2010 zusammen mit Künstlern Alexandre Decoupigny und Emily Völker digitale Bild- und Tondokumente in den Wohnungen, Fluren, Balkonen, Treppen-häusern und Fahrstühlen der Marzahner Plattenbauten. So entstand eine Datenbank voller kleiner Video- und Tonschnipsel. Am 11.September 2010 wurde dieses Archiv durch Projektionen auf die Plattenbauten selbst in Kombination mit einer lokalen Soundinstallationen in Form eines von den Schülern entwickelten Urban Games partizipativ vorgeführt.
Jovana Foik,
Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung:
Mitten in Marzahn dringen die Beats unüberhörbar vorbei an den Betonwänden. Ich treffe auf eine Gruppe Menschen, die Blicke gebannt auf die riesige Projektion an der gegenüberliegenden Häuserwand. Die beiden Künstler Emily Völker und Alexandre Decoupigny haben sich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Wilhelm-von-Siemens-Gymnasiums vorgenommen, die Marzahner Plattenbauten auseinanderzunehmen, um sie anschließend Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Entstanden ist eine vielschichtige Collage aus Sound- und Videotracks, die von den Schülern an diesem Abend live gemischt und zu einer Art "Urban Game" verarbeitet werden. Wir spielen mit und schauen zu, wie sich die Bau- und Entstehungsgeschichte Marzahns mit Bildern aus Straßen und Wohnungen aneinander reihen, wir begeben uns auf die Suche nach mysteriösen Backsteinen, auf denen Codes zu finden sind, denn wir können heute Abend verhindern, dass eine Mauer um Marzahn gebaut wird!
Was hier gebaut wurde, ist in der Tat keine Mauer, sondern ein intelligentes und überlebensfähiges Netzwerk. Begonnen hat alles mit einer einfachen und guten Idee: aus etwas Vorhandenem etwas Neues zu machen. Einer Idee, die vor allem vom Interesse und persönlichen Engagement aller Beteiligten genährt und getragen wurde. An diesem Abend sind es nicht allein die Zuschauer, die verhindern, dass Marzahn für immer hinter Mauern verschwindet. Es ist diese kleine Gemein-schaft, die sich einen Sommer lang verbündet hat, um sich entlang dieses sozialen Remix einen eigenen und kommunikativen Raum am Rande der Stadt zu erobern.